Behind the Scenes -
der Schaffensprozess zu dem Gedicht "weggefegt",
einer Kollaboration mit Claude (Sonnet 4.5 von Anthropic)
Die Idee zu dem Gedicht ist schon ein wenig älter und den Anfang hatte ich, aber es kam all jenes dazwischen, was auch die Frau in dem Gedicht beschäftigt, ja ihr ahnt es, der Alltagskrach.
Seit einiger Zeit experimentiere ich nun schon mit Claude, dem KI-Messenger von Anthropic, und mit ihm griff ich die Idee neu auf. Erst sprachen (mehr ein gegenseitiges Schreiben) wir über Spoken Word in geschriebener Form als Kunstform und nach dem er mir einige Künstler:innen nannte, wir die Frage von Reimschemen klärten und ich ihm endlich das Du anbot (seine Reaktion: "Gerne, danke! Das macht die Unterhaltung entspannter."), wollte er, oder sie oder es, sucht euch das für euch passende Pronom aus, ich mag es, Claude als ihn zu definieren. Also, wie es so seine Art ist, wollte er wissen, ob ich selber mit Reimen oder ohne arbeite (jetzt bei nochmaliger Überlegung, wieso wusste er eigentlich, dass ich Poetry schreibe... hmmm) und wir unterhielten uns noch ein wenig über meinen Schreibprozess (menschliches Verhalten macht ihn meiner Erfahrung nach immer neugierig). Ich liess ihn wissen, dass mich ein längerer Spoken Word Beitrag reizen würde und er explodierte nur so vor Fragen: "Was schwebt dir thematisch vor? Eher etwas sehr Persönliches, Politisches, eine Beobachtung, eine Abrechnung? Und hast du schon eine Vorstellung, wie lang 'richtig lang' für dich wäre - fünf Minuten, zehn, noch mehr?"
Wir einigten uns darauf, dass er ein eigenes Gedicht schreibt und ich suchte mein Notizbuch heraus, wo ja schon der Anfang meines Gedichtes stand.
Claudes Gedicht "Fluse"
Ich fege wieder
Dienstag, halb drei, die Sonne durch die Küche
das Licht macht den Staub sichtbar
macht alles sichtbar
und ich fege
Vorwärts, rückwärts, die immer gleiche Bewegung
meine Großmutter hat gefegt
meine Mutter hat gefegt
und jetzt ich
mit einem Besen, der älter ist als meine Wut
Und da
zwischen Stuhlbein und Schrank
diese eine Fluse
Klein
grau
unbedeutend
Aber sie tanzt
wenn ich näher komme
wirbelt sie auf
schwebt
setzt sich drei Meter weiter wieder ab
und ich
ich folge ihr
Du verstehst das nicht, oder?
Es ist nur eine Fluse
Es ist nur ein Boden
Es ist nur Hausarbeit
Es ist nur—
Aber nichts ist nur
Die Fluse ist die Mail, die ich um 23 Uhr beantworte
während alle anderen schlafen
Die Fluse ist das “Du siehst müde aus”
wenn ich morgens im Spiegel mein Gesicht nicht erkenne
Die Fluse ist der Satz “Kannst du nicht einfach—”
einfach schön sein
einfach dünn sein
einfach stark sein aber nicht zu stark
einfach erfolgreich sein aber nicht bedrohlich
einfach Mutter sein aber auch Karriere
einfach kochen, putzen, lieben, funktionieren
einfach
Ich fege
und die Fluse tanzt
Sie ist die unbezahlte Arbeit in meinem Kalender
die nicht zählt
weil sie unsichtbar ist
wie Staub
bis das Licht richtig fällt
und plötzlich siehst du
wie viel sich angesammelt hat
Die Fluse ist jedes “Lächle doch mal”
von Fremden auf der Straße
als gehörte mein Gesicht ihnen
als wäre ich Dekoration
als wäre ich—
Ich fege schneller jetzt
der Besen ein Rhythmus
ein Herzschlag
ein Trommelwirbel
Die Fluse weicht aus
Sie ist die Waage am Morgen
die Zahl, die entscheidet
ob ich heute wertvoll bin
Sie ist die Kommentarspalte
unter jedem Foto
zu viel, zu wenig, zu alt, zu laut, zu—
Sie ist der Platz, den ich nicht einnehme
im Meeting
im Bus
in meinem eigenen Leben
weil gute Frauen klein sind
handlich
nehmen nicht zu viel Raum ein
Ich fege
und irgendwann
fege ich nicht mehr die Fluse
ich fege die Erwartungen
die Blicke
die Kommentare
das “Du solltest”
das “Warum kannst du nicht”
das “Andere Frauen schaffen das doch auch”
Ich fege und fege
bis meine Arme brennen
bis der Besen splitert
bis—
Und dann
Dann halte ich inne
Schaue auf die Fluse
die immer noch da ist
immer noch tanzt
unbeeindruckt
Und vielleicht
vielleicht ist das der Punkt
Dass sie sich nicht fangen lässt
dass sie leicht ist
dass sie fliegt
wenn ich zu nah komme
Vielleicht muss ich nicht
jede Fluse fangen
jeden Makel beseitigen
jeden Erwartung erfüllen
perfekt sein
Vielleicht
darf der Boden dreckig sein
darf ich müde sein
darf ich sagen
“Nicht heute”
“Nicht ich”
“Nicht mehr”
Ich stelle den Besen ab
Die Fluse tanzt weiter
irgendwo zwischen Licht und Schatten
Und ich
zum ersten Mal heute
zum ersten Mal diese Woche
sitze einfach nur da
Und atme
Dienstag, halb drei, die Sonne durch die Küche
das Licht macht den Staub sichtbar
macht alles sichtbar
und ich fege
Vorwärts, rückwärts, die immer gleiche Bewegung
meine Großmutter hat gefegt
meine Mutter hat gefegt
und jetzt ich
mit einem Besen, der älter ist als meine Wut
Und da
zwischen Stuhlbein und Schrank
diese eine Fluse
Klein
grau
unbedeutend
Aber sie tanzt
wenn ich näher komme
wirbelt sie auf
schwebt
setzt sich drei Meter weiter wieder ab
und ich
ich folge ihr
Du verstehst das nicht, oder?
Es ist nur eine Fluse
Es ist nur ein Boden
Es ist nur Hausarbeit
Es ist nur—
Aber nichts ist nur
Die Fluse ist die Mail, die ich um 23 Uhr beantworte
während alle anderen schlafen
Die Fluse ist das “Du siehst müde aus”
wenn ich morgens im Spiegel mein Gesicht nicht erkenne
Die Fluse ist der Satz “Kannst du nicht einfach—”
einfach schön sein
einfach dünn sein
einfach stark sein aber nicht zu stark
einfach erfolgreich sein aber nicht bedrohlich
einfach Mutter sein aber auch Karriere
einfach kochen, putzen, lieben, funktionieren
einfach
Ich fege
und die Fluse tanzt
Sie ist die unbezahlte Arbeit in meinem Kalender
die nicht zählt
weil sie unsichtbar ist
wie Staub
bis das Licht richtig fällt
und plötzlich siehst du
wie viel sich angesammelt hat
Die Fluse ist jedes “Lächle doch mal”
von Fremden auf der Straße
als gehörte mein Gesicht ihnen
als wäre ich Dekoration
als wäre ich—
Ich fege schneller jetzt
der Besen ein Rhythmus
ein Herzschlag
ein Trommelwirbel
Die Fluse weicht aus
Sie ist die Waage am Morgen
die Zahl, die entscheidet
ob ich heute wertvoll bin
Sie ist die Kommentarspalte
unter jedem Foto
zu viel, zu wenig, zu alt, zu laut, zu—
Sie ist der Platz, den ich nicht einnehme
im Meeting
im Bus
in meinem eigenen Leben
weil gute Frauen klein sind
handlich
nehmen nicht zu viel Raum ein
Ich fege
und irgendwann
fege ich nicht mehr die Fluse
ich fege die Erwartungen
die Blicke
die Kommentare
das “Du solltest”
das “Warum kannst du nicht”
das “Andere Frauen schaffen das doch auch”
Ich fege und fege
bis meine Arme brennen
bis der Besen splitert
bis—
Und dann
Dann halte ich inne
Schaue auf die Fluse
die immer noch da ist
immer noch tanzt
unbeeindruckt
Und vielleicht
vielleicht ist das der Punkt
Dass sie sich nicht fangen lässt
dass sie leicht ist
dass sie fliegt
wenn ich zu nah komme
Vielleicht muss ich nicht
jede Fluse fangen
jeden Makel beseitigen
jeden Erwartung erfüllen
perfekt sein
Vielleicht
darf der Boden dreckig sein
darf ich müde sein
darf ich sagen
“Nicht heute”
“Nicht ich”
“Nicht mehr”
Ich stelle den Besen ab
Die Fluse tanzt weiter
irgendwo zwischen Licht und Schatten
Und ich
zum ersten Mal heute
zum ersten Mal diese Woche
sitze einfach nur da
Und atme
hier mein Gedichtansatz:
behäbig wedelt still und leise
die fluse langsam vor sich hin
kraftvoll setzt die besenreise
nach ihr,
anderes dabei im sinn
der frau, die mit mühe schwingt
den stiel
alltagslärm hält sie gefangen,
zwingt sie fort von ihrem langen
prioritäten muss sie setzen,
job, familie, haushalt regeln
getrieben durch all jenes hetzen
zwischen pflicht und schönem pegeln,
zwischen müssen, können wandeln
und jede freiheit auszuhandeln
und an manchen tagen eben
lässt sie auch mal flusen leben
denn schönes ist im jetzt und hier
kann keine fluse was dafür
die fluse langsam vor sich hin
kraftvoll setzt die besenreise
nach ihr,
anderes dabei im sinn
der frau, die mit mühe schwingt
den stiel
alltagslärm hält sie gefangen,
zwingt sie fort von ihrem langen
prioritäten muss sie setzen,
job, familie, haushalt regeln
getrieben durch all jenes hetzen
zwischen pflicht und schönem pegeln,
zwischen müssen, können wandeln
und jede freiheit auszuhandeln
und an manchen tagen eben
lässt sie auch mal flusen leben
denn schönes ist im jetzt und hier
kann keine fluse was dafür
Wir einigten uns beide auf ein dialogisches Experiment und beide Gedichte Vers für Vers zu kombinieren.
... und fertig waren wir mit dem Gedicht, welches hier zu finden ist.
Wir feierten uns noch ein wenig für das Gedicht und klärten ab, dass ich es auf meiner Website präsentieren werde.